
Mit Fassen und Verpacken der Kriegsgarnitur wurde der Tag verbracht. Außerdem trafen fortwährend neue Reservemannschaften aus Dresden ein, welche die
Sonderorder erhalten hatten. Nach ihren Aussagen war es noch möglich, das
Deutschland nicht mit in den Krieg verwickelt würde. Die deutsche Regierung
hatte an Rußland ein Ultimatum gestellt, welches Erklärung über die russische
Mobilmachung verlangte. Die Zeitungen vom vergangenen Abend und heute morgen verhielten sich auffallend ruhig im Verhältnis zu ihren aufregenden Nachrichten der letzten Tage. Man betrachtet dies auf der einen Seite als Zeichen der Verständigung, auf der anderen wieder als die Ruhe vor dem Sturm. Als Vertreter der letzten Ansicht, sollte ich recht behalten. Ich hatte gerade meinen Nachmittagskaffee getrunken, als ich in das Kompagnie-Geschäftszimmer gerufen wurde. Bei Ausführung dieses Auftrages, wurde mir schon auf dem Korridor, die Nachricht, daß die Mobilmachung angeordnet sei. Der Feldwebel übergab mir den Befehl, welcher die Mobilisierung der gesamten deutschen Armen anordnete und den 2. August als 1. Mobilmachungstag festsetzte. Ich sollte ihn auf dem schnellsten Wege dem Hauptmann überbringen. Am Kasernentore wurde ich nur zufolge meines Auftrages durch gelassen, denn das Ausgehen war vorläufig untersagt. Mit der Straßenbahn gelangte ich bis ans Alberttheater, in dessen Nähe (Glacisstr.) mein Kompagnieführer wohnte. Dieser machte sich auf die Nachricht sofort auf den Weg zur Kaserne. Auf den Straßen bemerkte man Gruppen von Männern und Frauen, die sich mit dem Schrecken eines bevorstehenden Krieges ängstigten. Auch mehreren bereits kriegsmäßig ausgerüsteten, Feldgrau eingekleideten Bahnschutzwachen, welche nach den Bahnhöfen marschierten, begegnete ich. Daneben rasten mit Offizieren besetzte Automobile im schnellsten Tempo unaufhörlich
durch die Straßen. Auf dem Alaunplatz und vor den Toren unserer Kaserne hatten sich viele Leute angesammelt, welche glaubten, wir Aktiven rückten morgen aus, und daher Abschied nehmen wollten. In Dresden betraf es aber nur die 177. alle anderen Regimenter verweilen noch einige Tage in der Garnison. Im Kompagniequartier wieder angekommen, fand ich alles dabei, auf dem Schlafsaal Platz für die eingetroffenen und
noch zu erwartenden Reservisten zu schaffen. Zu dem Zwecke wurden die Betten eng zusammengestellt, sodaß einer über den anderen steigen mußte; der dann entstandene Platz wurde mit Stroh überschüttet und genügend Schlafdecken ausgegeben. Im Laufe des Tages waren etwa 50 Mann eingetroffen. Beim Verlesen war der Hauptmann und unser neuer Leutnant zugegen. Ersterer ermahnte zu strengster
Erfüllung der Soldatenpflicht in dieser ernsten Zeit, die uns bevorsteht. Noch war der Krieg nicht erklärt, und doch glaubte mit Recht keiner an einen anderen Ausweg mehr.
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